1 Ich, um des Herrn willen im Gefängnis, ermahne euch nun:

2 Wandelt in aller Demut und Sanftmut, so wie es dem an euch ergangenen Ruf entspricht! Vertragt einander in Duldsamkeit

3 und seid in Liebe bestrebt, die vom Geist gewirkte Einheit durch das Band des Friedens zu bewahren!

4 Es ist nur ein Leib, und (darin waltet) nur ein Geist, wie es auch nur eine Hoffnung gibt, zu der ihr berufen worden seid.

5 Es ist nur ein Herr, ein Glaube, eine Taufe.

6 Es ist nur ein Gott und Vater aller: er herrscht über alle, wirkt durch alle und wohnt in allen In V.4-6 wird gesagt, worauf die in V.3 erwähnte Einheit beruht. Ich tilge die Kommata hinter [makrothymias] und [agapee] und setze ein Komma hinter [alleeloon]..

7 Jedem einzelnen von uns ist die Gnade in dem Maße zuteil geworden, wie sie Christus ihm geschenkt hat Trotz der Einheit gibt es nun aber eine Verschiedenheit der Gaben in den einzelnen..

8 Darum heißt es: Er ist aufgefahren in die Höhe, er hat Gefangene Nämlich: Sünde, Tod und Teufel. weggeführt Als Sieger., er hat den Menschen Gaben gegeben Ps. 68,19. Doch statt: "Du hast Gaben an Menschen empfangen", wie es in der hebräischen und griechischen Bibel heißt, schreibt Paulus (vielleicht nach einer altrabbinischen Überlieferung): "Er hat den Menschen Gaben gegeben". Der Herr, von dem in der Psalmstelle geredet wird, ist Christus. Ehe jedoch der Apostel die Worte: "Er hat gegeben" in V.11 näher erläutert, geht er zunächst ein auf den Ausdruck: "Er ist aufgefahren.".

9 - "Er ist aufgefahren": was bedeutet das anderes, als daß er zuerst (vom Himmel aus) herabgefahren ist in diese niedere Erdenwelt?

10 Der herabgefahren ist, der ist auch aufgefahren über alle Himmel, um (von dort) das ganze Weltall zu erfüllen Mit seiner Macht und Herrschaft (Matth. 28,18).. -

11 Er hat nun einige gegeben V.11 knüpft nach dem Zwischensatz in V.9 und 10 an den Schluß von V.8 an. als Apostel, andere als Propheten Vgl. 1. Kor. 12,28., andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer,

12 damit die Heiligen tüchtig werden, den Dienst auszurichten, wodurch Christi Leib erbaut wird.

13 Das soll geschehen, bis wir alle gelangen zu der Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zu jener Größe, worin wir Christi Gabenfülle fassen können.

14 Denn wir sollen nicht länger unmündige Kinder sein, die sich durch das Trugspiel solcher Menschen, die mit List auf Verführung ausgehen, von jedem Wind der Lehre wie Meereswogen schaukeln und umtreiben lassen.

15 Sondern wir sollen den wahren Glauben bekennen und durch die Liebe völlig hineinwachsen in Christus, der das Haupt ist.

16 Denn aus ihm zieht der ganze Leib sein Wachstum, indem seine einzelnen Teile sich eng zusammenfügen und fest zusammenhalten mit Hilfe aller Gelenke, die ihren Dienst verrichten nach der besonderen Tätigkeit, die jedem Glied zugewiesen ist. So erbaut sich der ganze Leib im Geist der Liebe.

17 Im Namen des Herrn ermahne ich euch nun mit allem Ernst: Wandelt nicht mehr wie die Heiden, die in der Torheit ihres Sinnes dahingehen!

18 Ihr Verstand ist verfinstert. Wegen der Unwissenheit, die infolge ihrer Herzensverstockung in ihnen wohnt, sind sie dem Leben Gottes Das Leben Gottes ist jenes Leben, das von Gott kommt, und das das Geschöpf hat, solange es mit Gott in Gemeinschaft bleibt. entfremdet.

19 Aller sittlichen Empfindung bar, haben sie sich der Ausschweifung in die Arme geworfen, und in unersättlicher Gier frönen sie jeder Art von Unsittlichkeit.

20 Ihr habt in Christi Schule solche Dinge nicht gelernt.

21 Wenn ihr seine Stimme gehört und seinen Unterricht empfangen habt - und in Jesus ist die Wahrheit -, dann wißt ihr auch:

22 Ihr habt - was euer früherer Wandel nötig machte - den alten Menschen abgelegt, der an den trügerischen Lüsten Die Lüste sind trügerisch, weil sie den Menschen täuschen, wenn sie ihm Glück und Befriedigung verheißen. zugrunde geht.

23 Ihr werdet aber jetzt erneuert im Geist eurer Denkungsart

24 und habt den neuen Menschen angezogen, der nach Gottes Bild geschaffen ist, und zwar in der Gerechtigkeit und Heiligkeit, die aus der Wahrheit stammt.

25 Darum legt die Lüge ab, und jeder rede die Wahrheit mit seinem Nächsten Vgl. Sach. 8,16.! Wir sind ja untereinander Glieder Die Lüge zerstört das Vertrauen und die Liebe, sie darf deshalb in dem Leib Christi nicht geduldet werden..

26 Wenn ihr zürnt, so sündigt nicht Ps. 4,5.! Die Sonne soll nicht über eurer Zornesstimmung untergehen.

27 Gebt dem Teufel keinen Raum Der Teufel findet in einem zornigen Gemüt leicht Eingang, und der Zorn ist die Quelle aller Art Lieblosigkeit.!

28 Der Dieb stehle nicht mehr, sondern er sei fleißig und erwerbe sich mit seiner Hände Arbeit redlichen Gewinn, damit er den Notleidenden unterstützen könne!

29 Es soll kein übles Wörtlich: übelriechendes. Wort aus euerm Munde gehen! Sprecht vielmehr im rechten Augenblick nur das, was anderen dienlich ist, damit die Hörer Segen davon haben!

30 Betrübt nicht Durch schlechte Reden. den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr für den Tag der Befreiung Vgl. 1,14; Röm. 8,23; Luk. 21,28. versiegelt worden seid!

31 Alle Bitterkeit und Heftigkeit, alles Zürnen, Zanken und Lästern, ja alles böse Wesen sei fern von euch!

32 Zeigt euch vielmehr gegeneinander gütig und barmherzig! Vergebt einander, wie Gott in Christus euch vergeben hat!