1 (A)5,1: Die Verse 1-17 sind so aufgebaut, dass sich die Gedanken in der Reihenfolge ABCDCBA um die Verse 8-9 (D) gruppieren. Hört diese Botschaft, ihr Israeliten! Ich stimme die Totenklage über euch an. 2 Erschlagen liegt sie da, Israel, die junge Frau, und steht nicht wieder auf. Verlassen liegt sie auf eigenem Boden, und niemand hilft ihr hoch. 3 Denn so spricht Jahwe, der Herr: "Die Stadt, die mit tausend Männern in den Kampf zieht, wird nur hundert übrigbehalten, und die mit hundert auszieht, der bleiben nur zehn. So wird es überall in Israel sein."
4 (B) Denn so spricht Jahwe, der Herr: "Sucht mich, dann werdet ihr leben! 5 Sucht nicht Bet-El auf, geht nicht nach Gilgal, zieht nicht nach Beerscheba5,5: Auch die Stadt Beerscheba im Süden von Juda war offenbar ein Zentrum des Götzendienstes geworden.! Denn Gilgal droht die Verbannung und das Gotteshaus von Bet-El wird zum Unheilshaus. 6 Sucht Jahwe, dann werdet ihr leben! Denn sonst fällt er wie Feuer auf Josefs5,6: Josef war der Vater von Efraïm und Manasse, den Stammvätern der größten Stämme des Nordreichs, deren Namen auch für das ganze Nordreich stehen konnten. Nachkommenschaft und niemand löscht den wütenden Brand für Bet-El aus."
7 (C) Ihr wandelt Gerechtigkeit in Bitterkeit um und tretet das Recht mit den Füßen.
8 (D) Er, der das Siebengestirn und den Orion schuf, der Düsternis in Morgenlicht verwandelt und den Tag verdunkelt zur Nacht, der das Meereswasser ruft – und es flutet über die Erde.5,8: es flutet über die Erde. Hier ist wohl nicht der Wasserkreislauf gemeint, sondern eher so etwas wie ein Tsunami. Sein Name ist Jahwe. 9 Vernichtung lässt er über dem Starken aufblitzen, Verwüstung kommt über die befestigte Stadt.
10 (C) Sie hassen den, der offen für das Recht eintritt, verabscheuen jeden, der die ganze Wahrheit sagt. 11 Weil ihr vom Hilflosen Pachtgeld verlangt und Kornabgaben von ihm wollt, habt ihr zwar Häuser aus Quadern gebaut, werdet aber nicht darin wohnen, habt ihr zwar schöne Weinberge gepflanzt, werdet ihren Wein aber nicht trinken. 12 Ja, ich kenne eure Vergehen und eure vielen Verbrechen. Ihr bedrängt den Gerechten und nehmt Bestechungsgelder an und verweigert den Armen das Recht. 13 Darum schweigt der Kluge in dieser Zeit, denn das ist eine böse Zeit.
14 (B) Sucht das Gute und nicht das Böse, dann werdet ihr leben! Und dann wird, wie ihr sagt, Jahwe, der allmächtige Gott, mit euch sein. 15 Hasst das Böse und liebt das Gute! Und sorgt für das Recht bei Gericht! Vielleicht wird Jahwe, der allmächtige Gott, dem Rest der Nachkommen Josefs gnädig sein.
16 (A) Darum spricht Jahwe, der Herr, der allmächtige Gott: "Auf allen Plätzen herrscht Trauer, Wehrufe hört man in allen Gassen. Man ruft die Bauern zum Trauern herbei, und zur Totenklage den, der die Klagelieder kennt. 17 Selbst in den Weinbergen wird Wehklage sein, denn ich werde das Land durchziehen", spricht Jahwe.
18 Ihr wünscht euch den Tag Jahwes herbei, doch ihr seid zu bedauern. Was bringt euch der Tag Jahwes? Er wird Finsternis sein und nicht Licht. 19 Es wird euch wie dem Mann ergehen, der vor dem Löwen flieht und einem Bären in die Quere kommt. Hat er dann glücklich sein Haus erreicht und stützt sich mit der Hand an die Wand, da beißt ihn die Schlange. 20 So wird der Tag Jahwes Finsternis sein und nicht Licht, schwarz wie die Nacht und ohne einen Schimmer Helligkeit.
21 "Ich hasse und verwerfe eure Feste, eure Feiern kann ich nicht riechen! 22 Eure Brandopfer sind mir zuwider, eure Speisopfer gefallen mir nicht. Eure fetten Freudenopfer5,22: Beim Freudenopfer wurde im Gegensatz zum Brandopfer nur das Fett auf dem Altar verbrannt. Der größte Teil des Tieres durfte bei einer fröhlichen Opfermahlzeit gemeinsam mit Verwandten und Freunden verzehrt werden. mag ich nicht sehen! 23 Hört auf mit dem Geplärr eurer Lieder! Euer Harfengeklimper ist nicht zu ertragen! 24 Nur das Recht soll fließen wie Wasser, die Gerechtigkeit wie ein immer fließender Bach.
25 Habt ihr mir vierzig Jahre Schlacht- und Speisopfer gebracht, damals in der Wüste, Haus Israel? 26 Oder habt ihr nicht schon damals den Sikkut, euren Himmelskönig, getragen, und Kiun5,26: Sikkut Kiun (oder: Sakkut und Kewan) sind assyrisch-babylonische Götter. euren Sternengott? Götter von euch selbst gemacht! 27 Darum lasse ich euch in die Gefangenschaft ziehen, noch über Damaskus hinaus. Das hat Jahwe gesagt, der nicht umsonst 'Gott der Heerscharen' heißt."5,27: Die Verse 25-27 werden von Stephanus in seiner Rede vor dem Hohen Rat nach der LXX zitiert (Apostelgeschichte 7,42-43).